Ich hinke ein bisschen hinterher mit meinen Blogeinträgen, doch das hängt damit zusammen, dass ich im Moment kaum zuhause bin, wegen verschieden Schul- und anderen Aktivitäten.
Am Freitag habe ich mal wieder geschwänzt - der Grund war mein Zug, der schon um 8 Uhr morgens in Victoria abfuhr. Mark hat mich auf seinem Weg zur Arbeit am Hauptbahnhof von Victoria abgeliefert. Er hatte mich gewarnt, dass die Züge nicht so schnell seien, wie in Deutschland, aber das was da am "Hauptbahnhof" auf mich wartete hat mich echt vom Hocker gehauen! Ich hab jetzt keinen ICE erwartet, aber mit dieser Bimmelbahn mit genau zwei Wagons habe ich jetzt wirklich nicht gerechnet! Das Ding wäre in Deutschland schon vor Jahrzehnten ausgemustert worden! Dementsprechend sah auch der "Hauptbahnhof" aus: Das war ein winziges Hexenhäuschen, wo man bei einer Frau die Tickets kaufen konnte.
Um 8:00 Uhr fuhr der Zug dann pünktlich ab. Zu der Zugfahrt ist nur zu sagen, dass der Zug genauso fährt, wie er auch aussieht: richtig langsam! Für die Strecke, die man im Auto normalerweise in 3 Stunden fahren kann, hat die blöde Bimmelbahn 5 Stunden gebraucht...
Um 1 kam Nina mich dann am Bahnhof abholen. Erst sind wir ein bisschen durch Courtenay und die dortige Mall, der Nachbarstadt von Comox gelaufen, ehe wir zu Nina nach Hause gefahren sind und ich habe ihre Gastfamilie kennen gelernt. Abends sind wir dann auf den Disk Golf Parcours nahe Ninas Haus gegangen. Disk Golf funktioniert wie Minigolf, nur mit einer Frisbee. In einem Wald sind überall Körbe verteilt und man muss von einem Startpunkt aus versuchen mit möglichst wenigen Würfen versuchen, das Frisbee in den Korb zu versenken. Ziemlich lustig.
Am nächsten Tag war wunderschönes Wetter und Nina und ich haben beschlossen zum Stand zufahren und ein Picknick zu haben. Am Strand hatten wir dann einen wunderschönen Tag, ich hab sogar einen leichten Sonnenbrand bekommen!
Am Sonntag waren wir nochmal Disk Golf spielen und danach sind wir nochmal nach Downtown Comox gelaufen, ehe mich Ninas Gastmutter mich dann zum Bahnhof gebracht hat, wo ich mich wieder in die Bimmelbahn Richtung Victoria gesetzt habe. DIe Rückfahrt war schlimm: In der Reihe vor mir saßen zwei Hippies, die wirklich die gesamten Fahrt ohne Pause Gitarre gespielt und gesungen haben. Und zwar richtig schlecht. Am Anfang dachte ich, die können das niemals die ganze Zugfahrt durchhalten, aber Pustekuchen, volle 5 Stunden durfte ich mir deren Geklimper anhören. Ich war so froh, als der Zug in Victoria angekommen ist!
Lau.ra - 10. Jun, 02:36
Sorry, dass der Beitrag zum farewell dinner ein bisschen spät kommt, aber ich war/bin sehr beschäftigt, worüber ich auch in den nächsten Beiträgen schreiben werde.
Warum das Farewell Dinner schon einen Monat ist, bevor die meisten Austauschschüler fliegen, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall wurden alle Gastfamilien und deren Austauschschüler von allen drei High Schools im School District am Mittwoch zu einem Farewell Dinner eingeladen. Das ganze fand im örtlichen Community Center statt.Da es als semiformal ausgeschrieben war, habe ich vorher noch ein kleines Problem gehabt, da ich außer Jeans und Shorts wirklich nichts dabei habe. Allerdings habe ich letztes Wochenende zusammen mit Cindy noch ein richtig günstiges Kleid gefunden, das mein Problem dann gelöst hat. Der riesige Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Los ging’s mit ein paar Ansprachen zum Anfang. Angefangen haben die Farewell Dinners in 2001, im ersten Jahr waren genau 12 Schüler mit ihren Gastfamilien anwesend. Unfassbar, dass es dieses Jahr weit über 100 Schüler waren. Danach ging es ans Buffet. Sehr spektakulär war das Dessert: ein riesiger Kuchen, der aussah wie die Kanada Flagge. Die rote Zuckerglasur hat allerdings fast wie Plastik geschmeckt ;-) Anschließend folgte die Verabschiedung der internationalen Grads, also der Austauschschüler, die hier in Kanada ihren Abschluss gemacht haben. Alles natürlich Asiaten. Das hat eine Ewigkeit gedauert, da zu jedem immer etwas gesagt wurde und es dann auch noch von jeder Schule mindesten ein Valedictorian eine Rede gehalten hat. Valedictorian werden eben die Schüler genannt, die bei der Graduation Feier eine Rede halten. Danach haben die übrigen Austauschschüler ihr Zertifikate und ein kleines Abschiedsgeschenk bekommen. Nach ein paar Fotos mit ein paar Freunden sind wir dann aber nach Hause gegangen.

<--- Meine Gasteltern und ich

<---- Die riesige Kanada-Torte

<--- Mr. Ohl vom international program und ich (Hi Mr. Ohl, ich hab mein Versprechen gehalten ;-) )
Lau.ra - 6. Jun, 06:10
6:45, mein Wekcer klingelt. Abwohl die Schule hier 35 Minuten später anfängt, stehe ich genauso früh auf wie in Deutschland. Liegt wohl daran, dass ich mit dem Fahhrad oder mit dem Bus in die Schule fahre. Heute war der Bus dran, es hat zwar nicht geregnet, aber es sah stark danach aus und ich wollte lieber nichts riskieren.
In Psychologie machen wir immer noch Persönlichkeitstests. Heute u.a. "Wie neidisch bist du?", "Wie sensibel bist du?" und "Bist du ein Leader oder nicht?".
Was macht man in Outdoor Ed, wenn es nichts mehr für Trips vorzubereiten gibt, keine Bären- oder Pumawarnungen mehr besprochen werden müssen, kein Essen dehydriert werden muss und keine Notwendigkeit mehr besteht irgendwelche Paddelschläge zu üben. Man spielt einfach nur Sportspiele. Letze Woche waren Tennis und Dodgeball (das Lieblingsspiel aller Kanadier. Grobe Regeln: 2 Team, die sich gegenseitig mit Bällen abwerfen müssen. Wer getroffen wird muss sich hinsetzen, kann sich aber wieder befreien, wenn er entweder einen Spieler aus der anderen Mannschaft abwirft oder von den "doctors" gerettet wird.) dran, gestern dieses "Schmeiß-alle-anderen-aus-dem Kreis-Spiel", das ja leider ein nicht so gutes Ende genommen hat, und heute wurde Hallenfußball gespielt. Ungleich wie in Deutschland, wo die Lehrer sich meistens drücken und den Schiri machen, haben Dibbs und Sutty tatkräftig mitgespielt. Wir hatten drei Teams, immer eins hat sich ausgeruht. Immer wenn ein Team ein Tor kassiert hatte, musste es wechseln und wenn das Spiel zu lange gedauert hat, wurde im Schere-Stein-Papier-Wettkampf entschieden. Es hat super viel Spaß gemacht, ich hoffe wir spielen bald nochmal Fußball!
In Mathe schlagen wir uns mal wieder mit Trigonometry rum, wovon ich langsam mal die Nase voll habe.
In foods sind wir heute wieder nicht zum kochen gekommen, denn wir mussten mal wieder an unseren term projects arbeiten. Also sind wir ins Computer Lab gegangen. Da ist mal wieder was Kanada-typisches passiert: Ich habe zur Zeit ein Gerstenkorn am Auge, was mich ziemlich nervt und wohl auch ziemlich übel aussieht. Das erste, was meine foods Lehrerin macht, als wir ins Computer Lab kommen, ist Gerstenkorn (das englische Wort dafür ist stye, wie ich heute gelernt habe) zu googeln, um mir zu zeigen, was das ist und was man dagegen tun kann. Das fand ich total lieb von ihr.
Nach der Schule bin ich dann mit Franzi nach Sidney. Franzi hatte ein Hair Appointment und ich wollte nicht nach Hause, da ich um 5:00 für das atlethic banquet schon wieder in der Schule sein musste. Nach einem Starbucks-Frappochino bin ich dann doch nach Hause gefahren, da ich bemerkt hatte, dass ich meine Sportsachen vergessen habe und ein paar Leute meinten, dass man das für das atlethic banquet brauche. Also habe ich den Bus nach Hause genommen, der natürlich mal wieder Verspätung hatte, wie so oft hier. Ich hab mir nur schnell mein Sportzeug angezogen und hab mich dann im strömenden Regen mit dem Fahhrad auf den Weg in die Schule gemacht, da kein Bus rechtzeitig fuhr. Als ich an der Schule angekommen bin, war fast kaum einer in Sportzeug da. Die Eile war völlig unnötig. Naja, egal.
Was kann man sich unter einem atlethic banquet vorstellen? Um ehrlich zu sein, bis heute hatte ich auch keine Ahnung. Ich war völlig verdutzt als mir Sutty letzte Woche nach einer Outdoor Ed Stunde das Ticket in die Hand gedrückt hat. Es ist einfach nur eine Art Schuljahresabschlussfeier alles Atlethen der Schule. Die Coaches standen am Grill und es gab Burger für alle. Nachdem alle gegessen hatten, ging es dann ins Theather. Dort wurde zunächst eine Slideshow mit Bildern von den verschieden Sportteams gezeigt, ehe es an die Vergabe der atlethic honor rolls ging. Honor rolls sind Auszeichnungen für Schüler, die besondere atlethische und akademische Leistungen gezeigt haben. Ich war total überrascht, als mein Outdoor Ed Lehrer mich plötzlich auf die Bühne gerufen hat. Ich habe eine atlethic honor roll 2010 bekommen! Mein Name wird jetzt auf einer Gedenktafel mit all den anderen Namen, die sie schon gewonnen haben im Eingangsbereich unserer Schule aufgehängt! Außerdem habe ich noch einen kleinen Ansteckpin als Erinnerung bekommen.Ich habe mich total gefreut, da ich auch gar nicht damit gerechnet habe.

Lau.ra - 2. Jun, 05:16
Da es wirklich nichts blogberichtenswerstes gibt, kommt heute mal wieder ein Tagesbericht. Ich hoffe, das langweilt euch liebe Leser nicht zu sehr, aber ich denke, dass ist besser als gar nicht schreiben.
Heute morgen bin ich ziemlich müde aufgewacht. Kein Wunder - es ist Montag. Der morgentlich Blick aus dem Fenster hat mich mal wieder frustriert. Es regnet immer noch... In Psychologie machen wir gerade Personalität und im Rahmen dieses Themas machen wir die ganze Zeit so Tests mit Titeln wie " Wie viel Selbstwertgefühl hast du?" oder so. Eigentlich ganz lustig. Heute haben wir ein Test gemacht, da sollte man sich eine Eiscremesorte heraussuchen, und das sollte einem dann verraten, welche Persönlichkeit Leute haben, die diese Sorte von Eis essen. Obwohl ich Erdbeereis mag, glaube ich aber trotzdem nicht, dass ich der geborene Entertainer bin...
In Outdoor Ed sollten wir alle Sportsachen mitbringen. Ich habe eine ziemlich verstopfte Nase im Moment und heute morgen hatte ich auch ein bisschen Kopfweh, also habe ich nicht mitgemacht, sondern nur zugeschaut. Meine Klasse ist in das schuleigene Fitnessstudio gegangen, wo sie ein Spiel gespielt haben. Ziel des Spiels war es, alle anderen aus einem Kreis rauszuschubsen, bis nur noch einer übrig ist. Plötzlich haben alle aufgehört und unser Lehrer kam mit einem Schrecken im Gesicht zu einem Jungen, der aus dem Boden liegengeblieben war. Ich habe nicht gesehen, was los war, doch als ich es dann gesehen habe, drehte es mir den Magen um. Sein Unterschenkel stand in einem ganz komischen Winkel ab und eine Stelle am Knie war ziemlich eingedellt. Kein schöner Anblick. Wir wurden alle rausgeschickt und es wurde ein Krankenwagen gerufen. Nach der Schule habe ich den Jungen gesehen, er hatte sich wohl das Knie ausgerenkt oder so. Aua. Das war übrigens schon der dritte schwere Unfall in Outdoor Ed. Am Anfang des Schuljahres hatte sich bei einem Jungen die Wirbelsäule verschoben, das ist bei einem von den Teambildungsspielen passiert. Ziel dieses Spiels war es, die komplette Klasse von einer Seite des Zauns auf die andere zu bekommen, ohne, dass auch nur einer den Zaun berührt. Ein Mädchen hat sich bei einer der Portages durch den Wald eine Gehirnerschütterung geholt, weil ihr ein Kanu auf den Kopf gefallen ist. Irgendwie ist dieses Fach auch ohne Bären und Pumas gefährlich.
In Block C hatte ich dann Mathe. In Mathe sind wir mit den Themen komplett durch, sodass wir jetzt nur noch wiederholen, da in drei Wochen die provincial exams anstehen. Ich sehe das jetzt nicht so eng, aber die Kanadier scheinen ziemlich nervös davor zu sein. Ich habe allerdings beschlossen, dass es mir egal ist, was ich für eine Note habe, in Deutschland interessiert sich eh keiner dafür und ich möchte meinen letzten Monat nicht mit Mathelernerei verbringen.
In foods hatten wir heute einen substitute. Das ist ein schlechtes Zeichen, denn dann kochen wir meistens nicht. Genau so war es auch heute, den wir hatten eine "Kreative Aufgabe" bekommen. Wir haben ein Bild bekommen, auf dem zu sehen war, wie ein Tisch gedeckt sein sollte. Dieses Bild sollten wir dann kopieren, aber nicht etwa abmalen, sondern mit ausgeschnittenen Bildern aus Zeitungen auf ein weißes Blatt Papier kleben. Das ganze sollte dann noch ein Thema haben, also sollte zum Beispiel, alle Teller, Gabeln, Messer, Servierten, usw. gelb sein. Ich habe alles aus Haaren gemacht, d.h. ich hab Teller, Besteck, Tassen, etc. aus Shampoowerbungen ausgeschnitten und aufgeklebt. Sehr anspruchsvoll, ich kam mir einer bisschen wie in der Grundschule vor.
Nach der Schule habe ich mich dann mit Alex, die ich von zuhause kenne, in der Mayfair Mall verabredet. Alex geht auf die Claremont Secondary, die auch zu meinem Schuldistrict gehört.
Jetzt bin ich zuhause und sollte eigentlich an einem meiner Schulprojekte arbeiten, die sich in letzter Zeit echt häufen, da es rasant auf Schuljahresende zugeht. In drei Wochen habe ich schon Ferien!
Lau.ra - 1. Jun, 04:55
Um euch zu überzeugen, dass es wirklich in letzter Zeit nichts Berichtenswertes gibt, beschreibe ich einfach mal meinen heutigen Tag.
Der Tag fing schon gammlig an: Als ich mich aus meinem Bett gequält habe und den meinen Vorhang geöffnet habe, erwartete mich grauer Himmel und Fusselregen. Ich war schon frustriert, da das Wetter seit Dienstag richtig schlecht ist und laut weather forecast auch keine Besserung in Sicht ist. Also habe ich mich in meine Parkland-sweatpants, die letzte Woche endlich angekommen sind, und den gammeligsten Pulli, den ich in meinem Schrank finden konnte, geschmissen. Ich sah eher aus, als würde ich ins Bett gehen, als dass ich gerade daherkomme. Wer sich jetzt fragt, ob das angemesse Kleidung für die Schule ist: Ja, eindeutig, es laufen so viele Leute auf meiner Schule mit sweatpants rum, die meisten haben die Schulsweatpants mit den zwei Panther-Tatzen auf dem Po an.
In ersten Block hatte ich wie jeden Tag Psychologie, wo wir heute einen Test geschrieben haben. Natürlich mit Heften, wie immer. :-)
In Outdoor Ed hatten wir einen substitute, wir haben Soccer-Tennis gespielt. Draußen im inzwischen strömenden Regen, aber wir sind ja eine Outdoor Ed Klasse, da hat das keinen gestört. Soccer-Tennis hat die gleichen Regeln wie Tennis, nur dass man anstatt mit einem Schläger und einem Tennisball, mit Fuß und Fußball spielt. Chris und ich haben gegen Rob und Denica gespielt. Dazu gibt es nur zu sagen, dass Chris und ich ein besseres Kanu-Team sind, als ein Soccer-Tennis-Team, wir beide waren nämlich ziemlich schlecht. In Mathe habe ich meinen Probability-Test geschrieben, der eigentlich nicht so schlecht war, wie ich erwartet habe, ich mag das Thema nämlich gar nicht. In foods haben wir dann Käse-Scones gebacken, ehe ich dann den Bus nach Hause genommen habe. Eigentlich wollte ich mit Franzi in Sidney treffen, aber sie hatte einen Tanz-Workshop auf Saltspring Island und war müde. Mir war das auch ganz recht, da auch ich todmüde war. Zuhause angekommen habe ich mich aufs Bett geschmissen und eigentlich mich nur etwas ausruhen wollte. Als ich wach geworden bin, war es 18:30. :-)
Soo das war mein langweiliger Tag, aber im Moment gibt's echt nichts Spannendes.
Lau.ra - 28. Mai, 05:46
Wie alle Deutschen hatte auch ich heute schulfrei. Nicht etwa wegen Pfingsten, sondern da heute Victoria Day, also der Geburtstag von Queen Victoria ist und das ist in Kanada ein Feiertag.
Heute morgen bin ich mit meiner Gastmutter nach Victorai gefahren, da wir uns die Victoria Day Parade anschauen wollten. Das ganze ging um 9 Uhr los, doch wir sind erst so gegen 10:30 eingetrudelt. Die Parade war zu diesem Zeitpunkt schon voll im Gange. Es gab allerlei Marchings Bands von High Schools aus Kanada und den USA, den Scouts, alle möglichen Tanz- und Schauspieldarbietungen und viel mehr. Meine Gastmutter und ich haben uns die Parade ca. bis 12 Uhr angeschaut, ehe wir beschlossen haben nach Sidney zu fahren und uns was zum Mittagessen zu holen. Bei schönem Sonnenschein und milden Temperaturen haben wir draußen beim Griechen gesessen und den Mittag genossen.

Lau.ra - 25. Mai, 01:38
Ersteinmal vorweg: Ich bin wohlbehalten vom West Coast Trail zurückgekommen und außer ein paar blauen Flecken, Schnitten und ordentlich Muskelkater fehlt mir nichts.
Ich hab eine Menge zu erzählen, aber ziemlich wenig Zeit, da heute Tina und Frank (meine Tante und mein Onkel) in Sidney angekommen sind und ich sie natürlich in meinem neuen Zuhause herumführe. Die beiden sind auf einer Kanada-Rundreise und machen gerade mit ihrem Wohnmobil vor dem Haus meiner Gasteltern Halt.
Aber nun zum West Coast Trail, ich fange am besten Mal chronologisch an zu erzählen, weil ich sonst die Hälfte vergesse. Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch habe ich ziemlich schlecht geschlafen, ich habe die ganze Zeit von Bären, Pumas und anderen Tieren, die mir begegnen könnten, geträumt und dauernd hatte ich das Gefühl, dass ich was Wichtiges vergessen habe. Und wenn man etwas vergisst ist das bei West Coast Trail nicht etwa, wie wenn man für den Urlaub was vergessen hat einzupacken, denn auf dem West Coast Trail kann man nicht eben mal in den Shop gehen und eine neue Zahnbürste oder so kaufen. Schließlich habe ich den Versuch aufgegeben, wieder einzuschlafen und bin um 4:45 aufgestanden. Danach habe ich mich in meine non-cotton-Hiking-Klamotten geschmissen das letzte Mal ein nicht-Oatmeal-Frühstück genossen. Da ich panische Angst davor hatte verloren zu gehen, wollte ich verbotenerweise mein Handy mitnehmen, just in case, denn laut meinem Gastvater, der den West Coast Trail schon zwei Mal gemacht hat, ist der Empfang da nicht schlecht (Sutty, unser Lehrer, hat uns natürlich gegenteiliges erzählt, aber ich glaube, dass sollte uns nur davon abhalten, das Handy mitzunehmen). Allerdings gab es ein kleines Problem mit meinem Handy, da mir mein Handyanbieten am Tag vorher die Karte abgestellt hatte, die sie abgelaufen war. Wo bekommt man also eine neue Handykarte her? Gut, dass ich in Nordamerika bin und da die Shops 24h geöffnet sind. Also sind Cindy und ich vor der Schule noch meine Karte aufladen gegangen, ehe sie mich an der Schule abgeliefert hat, wo schon einige andere gewartet haben. Mit einem knallgelben, typisch nordamerikanischen Schulbus ging es dann Richtung Bamfield, dem nördlichen Ende des Trails. Gestoppt haben wir in Port Alberni, wo wir uns bei Tim Hortons, das ist die kanadische Variante von Starbucks, nochmal richtig die Bäuche vollgeschlagen haben, denn die nächsten 6 Tage würden wir von dehydrierten Food aus Ziplock Bags leben müssen. Die fast sechsstündige Fahrt ging schneller rum als gedacht, und die Kanadier hatten viel Spaß dabei Franzi und mir, den beiden Deutschen, kanadische Kinderlieder und Klatschspiele beizubringen.
In Bamfield angekommen, konnten wir es gar nicht mehr erwarten endlich loszuwandern, allerdings mussten wir vorher noch an einer Trailorientation teilnehmen. Als wir die dann hinter uns gebrachten haben, ging‘s los. Acht Schüler und fünf Betreuer mit riesigen Rucksäcken. Schon nach den ersten paar Metern kamen ein paar von den berüchtigten Leitern. Diese Dinger sind ziemlich hoch, steil, sind aus Holz und sehen nicht sehr sicher aus. Genau das richtig für mich und mit einem 46 pound Pack ist das ganze nochmal schwieriger. Nach 4:45 aufstehen, sechs Stunden Busfahrt und 12 gelaufenen Kilometern sind wir abends völlig erschöpft am Michigan Creek Campground angekommen. Doch damit waren noch nicht alle Herausforderungen des Tages gemeistert. In der Tarp-Generalprobe im Unterricht hatten wir ziemliche Probleme mit dieser verfluchten viereckigen Plastikplane, die dein Zelt vor Regen schützen soll, doch an diesem Mittwoch ging das ganze überraschend schnell. Franzi, meine Zeltpartnerin und ich hatten das Ding vor allen anderen aufgebaut. Nach einem von unseren guten dehydrierten Dinners, die ich übrigens alle selbst gekocht und dehydriert habe, ging es dann relativ schnell ins Bett. Abgesehen von der Tatsache, dass meine doofe Luftmatratze ein Loch hatte und ich auf dem Boden geschlafen hab, war die Nacht eigentlich ziemlich ok. Am nächsten Morgen hat Dibbs, unsere Outdoor Ed Lehrerin, und dann relativ früh geweckt. Nach Oatmeal-Frühstück kamen die Betreuer dann mit der klasse Idee auf uns zu, dass wir das wir, die Wanderung, die eigentlich für zwei Tage geplant war, an einem machen könnten, damit wir einen kompletten Tag zum ausruhen haben. Da das Wetter super war, waren alle davon begeistert. Obwohl alle gesagt haben, dass der erste Canoeing/Portaging Tag der Härteste war, für mich war der Donnerstag der Härteste. 15 km durch Sand, Bäche und riesige Schlammpfützen, über Wurzeln und Felsen, rauf und runter und immer wieder diese Leitern… Ich war echt fertig als wir am Tsusiat Falls Campground ankamen. Doch unser Tarp machte Franzi und mir an diesem Tag Probleme: Da wir am Strand gecampt haben, gab es da keine Bäume, wo wir das Tarp befestigen konnten. Also haben wir es mit riesigen Treibholz-Stöcken probiert, allerdings sind die nie da geblieben, wo wir sie haben wollten. Nach 1 ½ Stunden Tarp-Frustration haben Landon und Chris dann unserer angenommen und haben uns geholfen, denn Franzi und ich wir waren echt frustriert! Diese Frustration war angesichts des tollen Wetters und der Aussicht auf den freien morgigen Tag am Strand jedoch schnell verflogen. Den Abend haben wir am Lagerfeuer verbracht, neben uns das Rauschen der Wellen und des Wasserfalls. Einfach nur wunderschön.
Als wir am nächsten Tag aufgewacht sind, hat uns fast der Schlag getroffen, als wir auf die Uhr geschaut haben: Es war tatsächlich 10 Uhr morgens! Bis nachmittags haben wir dann einfach nur im Sand gelegen und die Sonne genossen, ehe wir am Nachmittag zu einem kleinen Spaziergang zu einem riesigen Felsen mit einem Loch in der Mitte, der echt sehenswert war, aufgebrochen sind.
Abends kam dann die andere Gruppe an, die den Trip von der anderen Seite gestartet hat, sodass wir die Kanus von ihnen übernehmen konnten. Alle waren ziemlich verschwitzt, schlammbespritzt und machten ziemlich neidische Gesichter, als wir ihnen erzählt haben, dass wir den ganzen Tag am Strand verbracht haben. Für unsere Gruppe ging es an diesem Abend doch relativ früh ins Bett, da wir am nächsten Morgen schon um 8 Uhr aufbrechen wollten und vorher noch alles packen mussten. Der Samstag sollte unser längster Tag werden. Es war der erste Kanu/Kanu-Tragen – Tag. Zuerst sind wir zu Tsusiat Lake gewandert, wo wir die Kanus abgeholt haben und wir anschließend über den See gepaddelt sind. Links und rechts Bäume, in der Mitte Wasser, im Hintergrund schneeverschneite Berge und keine Menschenseele. Ich glaube, dass ist das typische Bild, was ein deutscher von Kanada hat. Nach dem ca. halbstündigen Kanu-Part ging es dann ans Portaging. Da wir nicht gleichzeitig die Kanus und unsere Rucksäcke schleppen können, mussten wir erst mit unseren Rucksäcken hinlaufen, ohne sie zurücklaufen und dann das Kanu schleppen. Das heißt, dass wir die Distanz dreimal zurücklegen. Der erste Portage war ganze 2 km lang, mal 3 genommen also insgesamt 6 km. Schon mit dem Rucksack war der Pfad ziemlich schwierig und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie man das bitteschön mit einem Kanu machen soll. Der Weg zurück zu den Kanus war der angenehmste, denn wir hatten ausnahmsweise nur unser Körpergewicht zu tragen. Es war fast schwieriger ohne Rucksack zu laufen, weil ich einfach schon daran gewöhnt war, das Gewicht auf meinem Rücken zu haben und ich wäre ein paar Mal fast hingefallen.
Mein Canoeing und Portaging Partner war Chris. Chris und ich waren ein gutes Team, wir haben gut zusammen gearbeitet und wir haben alle Hindernisse bewältigen können, auch wenn das ganze eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat. Nach dem Portag ging es dann über Hobiton Lake, ehe wir schließlich, nach fast 10 Stunden, am Hobiton Lake Campground ankamen. Im Gegensatz zu den ersten zwei Campground, wo wir wenigstens noch so genannten compostable toilets (in Deutsch: Plumpsklos) hatten, hatte dieser Campingplatz überhaupt keine Sanitäranlagen. Außerdem lag eine Menge Bärenkot rum… Ehe wir ins Bett gegangen sind, mussten wir also unser komplettes Essen und alles andere, was riecht, so hoch in die Bäume hängen, dass ein Bär es nicht erreichen kann. Auch das mussten wir auf den vorherigen Campingplätzen nicht machen, da gab es nämlich Bear Boxes. Am nächsten Morgen gings dann weiter: Nach einem kurzen Paddle ging’s dann zu unserem letzten Portage und der hatte es in sich. Alles war richtig schlammig, wie eigentlich schon am Tag zuvor, ich habe einen falschen Schritt gemacht und mein rechtes Bein steckte bis zum Oberschenkel im Matsch und ich kam nicht mehr raus. Das ist super, wenn du ein Kanu auf der Schulter hast und das Gefühl, wie der Matsch in deine Schuhe fließt, ist klasse… da helfen auch keine Gaiters (die deutsche Übersetzung dafür ist glaube ich Gamaschen). Mit Hilfe der anderen kam ich da aber wieder raus und mich dreckigen Beinen und nassen Füßen ging’s weiter. Nach einer halben Ewigkeit sind wir dann am Nitinat Lake angekommen, der für seine Winde berühmt ist, sodass da letztes Jahr sogar irgendwelche Windsurf Weltmeisterschaften oder so stattgefunden haben. Nachdem wir Nitinat Lake überquert haben, kamen wir dann nach einem kurzen Tag (nur 4 h!) am Campground an. Dort stellten wir dann Tarp und Zelte auf, ehe wir die Kanus zu Sutty’s Truck, den er in der Nähe geparkt hatte, zu tragen. Unsere Betreuer kamen dann auf die Idee uns alle in den Truck, der einfach nur riesig ist, zu stecken und einen Ausflug in die Zivilisation zu machen. Mit sechs Leuten im Sitzbereich und sieben Leuten, Schwimmwesten und Paddeln im Kofferraum ging es dann ziemlich gequetscht nach Nitinat, einer wirklich Mini-Stadt. Dort haben wir dann an einer Tankstelle Halt gemacht. Ich glaube die Verkäuferin hat ein bisschen komisch geguckt, als 13 total verstubbelte und dreckige Teenager und Erwachsene in ihren Shop eingefallen sind, und Massen an Keksen, Mashmallows, Pommes und Burgern gekauft haben. Ordentlich beladen ging es dann ein bisschen später zurück zum Campground, wo wir es uns am Lagerfeuer mit unseren letzten Resten an Essen und Nachschub an allerlei Leckereien gemütlich gemacht haben. Nach einer letzten Nacht im Zelt haben wir dann unsere Rucksäcke zu Sutty’s Truck gebracht und diemal ging es mit zehn Leuten, Paddeln, Schwimmwesten und Rucksäcken im Kofferraum, mehr Rucksäcken auf der Rückbank, drei Leuten vorne und einem Kanu-Hänger mit sechs Kanus zu einem Parkplatz, wo uns der knallgelbe Schulbus wieder abgeholt hat. Anschließend sind wir nach Bamfield gefahren, wo wir sechs Tage zuvor gestartet waren, um Sutty’s Gruppe abzuholen, ehe es in Richtung Sidney ging. Auf dem Weg nach Hause haben wir in einem Einkaufzentrum in Nanaimo gestoppt haben. Ein Einkaufszentrum ist schon ein komischer Ort, nach sechs Tagen im Busch wieder auf die Zivilisation losgelassen zu werden: Auf der Suche nach Essen wir glaube ich einige angewiderte Blicke geerntet: Kein Wunder, wir waren schlammbespritzt, hatten fettige Haare und wir müssen auch ziemlich gestunken haben, immerhin hatten wir seit sechs Tagen nicht geduscht. Uns war das in dem Moment egal, wir wollten nämlich nur eins: Food und zwar viel und gutes!
Ordentlich bepackt mit allerlei Köstlichkeiten, ging’s dann zurück in den Bus, wo ein riesiger Ice Cream Cake auf uns wartete. Sutty musste eine Runde Ice Cream Cake ausgeben, da ein Mädchen aus meiner Klasse Geburtstag hatte und er irgendeine Wette gegen die andere Gruppe verloren hat.
Pappsatt kamen wir dann so gegen 7 in Sidney an, wo mich meine Gasteltern abgeholt haben. Zuhause angekommen hatte ich erstmal eine Dusche: Ich glaube das war die beste und längste Dusche in meinem Leben.
Fazit: Es war ein wundervoller Trip, eine einmalige Erfahrung und auch wenn es total anstrengen war, es hat super viel Spaß gemacht und ich bereue es keine Minute lang, dass ich mich an meinem 2. Tag entschlossen habe von Kunst zu Outdoor Ed zu wechseln.
When you have gone so far that you cannot manage one more step, then you have gone just half the distance that you are capable of!
Outdoor Ed 12 - West Coast Trail 2010 – eine richtig coole Zeit und vielleicht das Highlight meines kompletten Kanada-Aufenthaltes!
Für alle die, die sich fragen, warum ich keine Bilder hochgeladen habe: Ich hatte meine Kamera dabei und ich hatte so viele Bilder gemacht, doch am letzten Tag habe ich festgestellt, dass sie leider ALLE BILDER GELÖSCHT HAT!!! Ich weiß auch nicht, wie und warum, ich habe sie nicht gelöscht. Ich selbst war total enttäuscht, da die Aufnahmen wirklich klasse waren, die Natur ist einfach einzigartig. Ich bekomme aber wahrscheinlich Bilder von anderen, allerdings habe ich die noch nicht, sodass ich sie nicht auf den Blog laden kann. Ein ist aber sicher: auch wenn ich keine eigenen Bilder habe, ich habe immer die Erinnerung an diesen einmaligen Trip, den ich bestimmt mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde!
Lau.ra - 19. Mai, 09:01
Morgen geht's los. 6:30 Treffpunkt an der Schule. Ich bin bestens vorbereitet, habe heute zum letzten Mal für die nächsten 6 Tage nicht-dehydriertes Essen gegessen und werde gleich zum letzten Mal für die nächsten 6 Tage im warmen und gemütlich Bett schlafen. Ich bin super aufgeregt, freue mich aber auch schon total. Ich werde bestimmt eine klasse Zeit haben!
Ausführliche Berichte und hoffentlich ganz viele tolle Fotos kommen nächsten Dienstag dann!
Lau.ra - 12. Mai, 05:57
Den West Coast Trail bestreitet unsere Outdoor Ed Klasse in vier Gruppen. Zwei davon sind gestern zurückgekommen, für die ging der Trip von Sonntag bis Freitag. Ich glaube, es sind alle gesund zurückgekommen, soweit ich das mitbekommen habe, nur von meiner Fußballtrainerin, die als Aufsichtsperson dabei war, wurde das Auto komplett zerstört, da es von einem Kanu getroffen wurde. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte, wahrscheinlich werde ich das dann am Montag herausfinden, wo ich mal wieder meinen backpack in die Schule schleppen muss, da der letze Check, der "instructor check" ansteht. Caroline, die auf dem ersten Trip war, hat uns alle schonmal ermutigt mit den Worten, dass der erste Tag der schlimmste im ihrem bisherigen Leben gewesen sei. Oh Gott! Worauf habe ich mich denn da eingelassen?!?
Naja, dank meiner Gastfamilie bin ich gut vorbereitet durch allerlei Trainingshikes und Ausrüstung, und das wird schon werden.
Alle, von denen ich bis jetzt was gehört haben, haben aber gesagt, dass sie eine einmalig tolle Zeit auf dem West Coast Trail hatten, sodass ich ganz zuversichtlich bin.
Heute war ich noch mit Franzi und Franzi in Victoria, um die wirklich letzten Einkäufe zu tätigen - eine Trillerpfeife und eine Wasserflasche. Der Dehydrator läuft auch noch mit der letzten Ladung Früchte, aber morgen wäre ich quasi ready to go!
Am Mittwoch kann's also losgehen!
Lau.ra - 9. Mai, 03:04
Wie schon gestern hatten wir heute in Outdoor Ed einen substitute, weil unsere Lehrer gerade mit der anderen Gruppe den West Coast Trail bestreiten. Gestern haben wir mit unserem Lehrer, einem riesigen, muskulösen und total athletischen Typen, Fußball gespielt, heute stand was typisch Nordamerikanisches auf dem Programm: Kickball. Die meisten haben das hier in der Grundschule schon ziemlich viel gespielt, für mich aber völliges Neuland. Nachdem unser Lehrer am Anfang kurz die Regeln erklärt habe, habe ich immer noch nicht wirklich verstanden, wie das Spiel funktioniert, außer, dass die Regeln eigentlich wie Baseball sind, nur das der Ball halt eben gekickt werden muss.
In einer Situation war der Ball noch meilenweit entfernt und ich wollte zur 2. Base rennen. Alle haben geschrien, dass ich das nicht machen soll, und ich habe mich nur gefragt "Warum denn nicht?" und bin weitergerannt zur 2. Base, wo allerdings schon einer aus meinem Team stand. Dann wurde mir erklärt, dass zwei Leute nicht auf einer Base sein dürfen und dass wir beide jetzt "out" seien. Aha.
Allerdings gibt's da ja noch den "Ich-bin-Deutsch-und-weiß-das-nicht-Bonus" :-)
Also war ich nicht "out" sondern musste auf die erste Base zurück. Glück gehabt. Nachdem ich dann die Regeln einigermaßen verstanden habe, hat das Spiel auch richtig Spaß gemacht. Schade, dass freitags alle Schulstunden 20 Minuten kürzer sind, ich hätte gerne noch länger gespielt. Vielleicht nach dem West Coast Trail nochmal, da der Lehrplan, sofern es denn einen gibt, eigentlich nur die Vorbereitung auf den West Coast Trail vorsieht und wir danach immer noch fast zwei Monate bis Schuljahresende haben.
Lau.ra - 8. Mai, 03:34
Am Dienstag Morgen 8:30 ging’s los – oder sollte es eigentlich losgehen, letzendlich sind wir glaube ich um 9 gefahren, weil zwei Australier den Trip total vergessen haben. Auf ging’s nach Tofino. Sidney und Tofino liegen auf der Landkarte nicht weit auseinander, aber drei Monate Kanada-Erfahrung haben mich gelehrt niemals Entfernungen zu unterschätzen. Ganze sechs Stunden hat die Fahrt up Island nach Tofino gebraucht! Gestoppt haben wir in Port Alberni zum Lunch, in einer Art Wald, wo es die größten Bäume in ganz Kanada geben soll und am Long Beach, kurz vor Tofino.
Um 17:00 nachmittags kamen wir dann im Hotel an – das gleiche Hotel, wo ich auch mit meiner Familie im Juli bleiben werde. Das Wetter war wieder super, nachdem es auf der Fahrt mal wieder alles zu sehen gab – Sonne, Regen, Wolken und sogar Schneeregen. Unser Best Western lag direkt am Strand und von unserem Hotelzimmer konnte man das Meer sehen. Nach dem Abendessen sind dann alle Austauschschüler erstmal an den wunderschönen Sandstrand gegangen. Manche besonders Wagemutigen sind sogar ins eiskalte Wasser gegangen. In Outdoor Ed, ok, aber doch nicht freiwillig, nee danke! Ich bin lieber am Strand geblieben, wo ich mit den anderen auch eine Menge Spaß hatte. Später am Abend konnten wir alle noch den wunderschönen Sonnenuntergang am Strand beobachten, einfach gigantisch!
Dann ging’s aber nicht allzu spät ins Bett, denn am nächsten Morgen sollten wir um 7 Uhr schon am Frühstücksbüffet erscheinen.
Nach einer doch etwas kurzen Nacht, haben wir uns alle erstmal beim Frühstücksbüffet gestärkt, ehe es mit dem Bus nach Tofino zum Whale Watching ging. Dort wurden alle mit riesigen roten „survival suits“ ausgestattet, mit denen wir ungefähr wie das Michelin-Männchen ausgesehen haben.
Dann ging’s mit einem der kleinen Zodiac Booten zu den Whales. Das war echt super. Alleine schon die Fahrt mit diesen Dingern mach unheimlich viel Spaß, denn sie sind superschnell, um dich herum spritzt alles und die Wellen haben uns ganz schon hüpfen lassen – fast wie in einer Achterbahn und definitiv nichts für schwache Mägen! Und auch die Landschaft ist (mal wieder) klasse. Die Kulisse vom Meer aus, ist eigentlich genau wie man sich Kanada vorstellt: Meer, Strand, Bäume und im Hintergrund schneebedeckte Berge. Ein paar Wale haben wir auch gesehen, allerdings konnte man eigentlich nur die Rücken und Wasserfontänen sehen und ganz selten mal eine Schwanzflosse. Mit Bildern war’s leider nicht so gut, da immer, wenn ich gerade auf den Auslöser gedrückt habe, die Wale gerade wieder abgetaucht sind. Hier ist das einizige gute Bild, das ich bekommen habe:
Die Tour hat aber trotzdem RICHTIG viel Spaß gemacht und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal im Juli.
Nach dem Whale Watching hatten wir dann noch ca. 1 ½ Stunden Zeit, also sind wir zum Mittagessen in ein kleines süßes Cafe gegangen, dass die größten Muffins überhaupt hatte, sowas hatte ich noch nie gesehen! Um 13 Uhr ging dann der Bus wieder Richtung Sidney. Die Fahrt von Tofino bis Nanaimo geht echt NUR durch Wald, ehe man in Nanaimo auf die Autobahn kommt. Auf einem Schild kurz nach Verlassen von Tofino stand „Check fuel – next gas station in 85 km“, ich glaube das erklärt es ganz gut :-)
Fazit: Ein supertoller Trip, ich hatte total viel Spaß, allerdings waren zwei Tage viel zu kurz, vor allem bei der langen Fahrt.
Lau.ra - 7. Mai, 06:40
Nur eine kurze Info: Morgen geht's für mich für zwei Tage nach Tofino, an der Westküste Vancouver Islands. Zusammen mit den international students werde ich dann auf unserer Whale Watching Tour hoffentlich einige Wale sehen. Nach allem, was ich über Tofino gehört habe, bin ich schon ziemlich gespannt und die Wettervorhersage für morgen und übermorgen ist klasse. Am Mittwoch Abend werde ich dann, hoffentlich mit vielen tollen Bildern im Gepäck wieder zurück sein.
Lau.ra - 4. Mai, 05:42
Direkt nach der Schule blieb kaum Zeit zum Ausruhen, schnell ein paar warme Klamotten in meine Drybag gestopft, Schlafsack aus meinem riesigen Berg an Campingsachen hervorgekramt und alles im Kofferraum von Marks Mustang verstaut. Mark, mein Gastvater, ist seit Mittwoch mit Adi, einem Freund meiner Gastschwester, der aus Indien kommt und hier studiert, auf einem Campingtrip gewesen und wir wollten sie am Jordan River Campground treffen, um für das Wochenende auf einen Camping/Hiking-Trip zu gehen. Als wir in Sidney losgefahren sind, war schönster Sonnenschein, doch kaum waren wir aus Victoria draußen, fing es an in Strömen zu regnen. Perfektes Campingwetter also, aber eine zukünftige West-Coast-Trail-Bezwingerin kann das natürlich nicht erschrecken ;-)
Auf dem Weg dorthin haben wir im Supermarkt noch Abendessen besorgt, Salat, Nudeln und Chicken, damit auch Mark und Adi, die sich seit Mittwoch von dehydrierten Instant-Produkten ernährt haben, auch mal wieder was richtiges zu Essen haben.
Am Jordan River Campground angekommen, warteten die Jungs schon mit aufgebauten Zelten, einem prasselnden Feuer und hungrigen Blicken auf uns. Da auch nach dem Abendessen der Regen noch anhielt, haben wir es uns alle neben dem Feuer gemütlich gemacht. Was gibt es schöneres, als bei strömenden Regen halbwegs trocken unter einer Plastikplane am gemütlich warmen Feuer zu sitzen, geschmolzene und zwischen zwei Schokokekse gepackt Marshmallows zu essen und direkt neben dem Campground das Meer und die Wellen rauschen zu hören? Echtes West Coast Feeling ;-)
Nachdem alles, was riecht, dann Bär-sicher in Marks Truck verstaut war, haben wir uns dann alle in unsere mollig warmen Schlafsäcke gekuschelt.
Als ich heute Morgen dann um 8 Uhr aufgestanden bin, gab es erstmal richtiges Hiker-Frühstück - Instant Oatmeal. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich so Zeug mal esse, aber das schmeckt richtig gut und ich habe das hier jeden Tag als Frühstück.
Nach dem Frühstück haben wir alles zusammengepackt und sind ein Stückchen am Strand entlang gefahren. Auf einem Parkplatz haben wir den Truck dann abgestellt und sind bei inzwischem richtig sonnigen Wetter zurück zum Campground gelaufen. Auf dem Weg konnten wir mal wieder die wunderschöne kanadische Natur bewundern: Möwen fliegen über unseren Köpfen, das Meer glitzert in tausend Farben und auf der anderen Seite erstreckt sich der Regenwald, einfach gigantisch. Ich glaube, das ist eines der Dinge, die ich am meisten vermissen werde, wenn ich zurück in Deutschland bin.
Nach einem kurzen Hike von ca. zwei Stunden sind wir dann wieder am Campground angekommen, von wo aus wir wieder nach Hause gefahren sind. Jetzt sitze ich hier an meinem Computer und bin totmüde, obwohl es erst 20:45 ist, aber die frische Luft macht müde.
P.S.: Wenn ich nur drei Monate geblieben wäre, wie eigentlich gebucht, wäre heute mein Flug zurück Richtung Frankfurt gegangen. Ein Glück bleibe ich noch weitere zwei Monate hier, aber es ist gruselig, wie schnell die (kanadische) Zeit vergeht...
Lau.ra - 2. Mai, 05:21
In Foods am Freitag kam unsere Lehrerin rein und meinte, dass wir heute nicht kochen werden, sondern uns eine Präsentation über deutsche Kultur anhören. Aha, dachte ich, ist ja mal ganz spannend, was Kanadier über unsere Kultur denken, denn in meiner Zeit hier, habe ich schon teilweise recht interessante Darstellungen und Denkweisen über mein Heimatland gehört (z.B. wurde ich gefragt, wie das denn in Deutschland mit zwei Währungen funktioniere. Auf meinen etwas verdutzten Blick wurde mir erklärt, dass man doch in Deutschland die deutsche Währung für Deutschland und den Euro für Europa hat...:-) ). Im Theater angekommen, stellte sich jedoch heraus, dass die Präsentation weniger über deutsche Kultur als über die deutsche Sprache ging. Das
Deutschmobil tourt durch Kanada und hält Präsentationen an Kanadischen Schule über die deutsche Sprache, um kanadische Schüler zu motivieren Deutsch zu lernen. Welchen Zweck das hat weiß ich jetzt nicht so ganz, ich vermute mal, dass soll die deutsche Sprache wieder beliebter im Ausland machen. Naja, zuhause habe ich noch nicht davon gehört, dass beispielsweise Franzosen durch Deutschland touren, um Deutsche zu überreden Französisch zu lernen, aber ok, zurück zum eigentlichen Thema :-)
Eine Stunde lang, durfte ich mir dann anhören, warum man unbedingt Deutsch lernen sollte und habe einen kompletten Anfängersprachkurs in Deutsch gemacht. War ziemlich langweilig, aber gleichzeitig auch lustig anzuhören, wenn Kanadier probieren, das Wort "Baden-Württemberg" auszusprechen :-)
Lau.ra - 2. Mai, 01:38
Am Donnerstag bin ich nach der Schule wie immer zum Judo geblieben, das um 17:45 zu Ende war. Dann habe ich mich auf mein Fahrrad gesetzt, bin nach Hause gesprintet, habe mein Abendessen runtergeschlungen und bin in die Dusche gestürzt, denn um 18:45 ging mein Bus zurück Richtung Schule. Warum die ganze Hektik? Donnerstag Abend war die Fashion Show der Grads. Da die Grads, das heißt der Abschlussjahrgang, hier wirklich alles andere zutun haben, als sich um irgendwelche Abschlusprüfung zu kümmern (die größte Sorge ist das perfekte Outfit für den Abschlussball!), ganz im Gegensatz zu Deutschland, gibt es hier alle möglichen Veranstaltungen, die von den Grads organisiert werden, um Geld für ihre Abschlussfeier zu bekommen. Ich habe schon zwei Wochen vorher meine Karte gekauft, und das war auch gut so, denn das Theater meiner Schule war rappelvoll. Das Motto der diesjährigen Fashion Show war "Movie Moments" und von amerikanischen Teenie-Schlagern wie "High School Musicial" und "Twilight" über Disney-Klassiker wie "Schneewittchen" bis Musicials wie "Grease" und "Hairspray" war alles dabei. Die Models, allesamt Grads, haben nicht nur die Mode, die von verschiedenen Shops in Sidney und Victoria zur Verfügung gestellt wurden, präsentiert, sondern auch oft noch dazu getanzt. Es hat super Spaß gemacht zuzuschauen, vorallem weil viele meiner Freunde in der Fashion Show waren.

Lau.ra - 2. Mai, 01:20